Die Freilegung der Wurzeln des Web 2.0 liegt uns mit verschiedenen Forschungsprojekten besonders am Herzen. Eine der Thesen, die wir auch im Buch “Web 2.0 für Unternehmen” vertreten, besteht darin, dass gerade Social Media u.a. von der 68er Bewegung stark inspiriert worden ist. Rainer Langhans, wichtiges Mitglied der Berliner Kommune K1, sandte uns zu dieser Thematik den folgenden Beitrag zu. Er reagiert damit auch auf unseren Blogbeitrag “Extase im Internet” vom Juli.
“Der Mensch ist ein ekstatisches Tier. Er ist ein geistiges Wesen, in einen Körper gesperrt, den er selbst erschaffen hat. Er quält sich darin ab. Um in sein wirkliches Wesen zu gelangen, versucht er, ihn immer wieder zu verlassen. Damit kann er ‘geistige’ Erfahrungen machen. Das geht aber immer nur sehr kurz, weil der Körper darunter leidet, wenn ihn sein Geist verläßt. Das ist Ekstase. Es gab und gibt viele Ekstasetechniken: unsere waren beispielsweise Sex, Drugs and Rock’nRoll, heißt es. Die 68er Ekstase war higher. Das Netz heute ist eine globale und massenhafte Ekstasemöglichkeit. Wir werden sogar dort leben – überwiegend – und nicht mehr so stark wie bisher mit dem Körper identifiziert sein. Großer Fortschritt! Richtung Menschlichkeit, Liebe, Spiritualität, Überwindung des Materialismus usw.”
Die Umsetzung der Prinzipien der Social Software im Unternehmen verändert die Unternehmenskultur. Wir meinen in unserem Buch „Web 2.0 im Unternehmen“, dass diese Veränderung positiv zu bewerten ist und letztlich gegenkulturelle Gesellschaftskonzepte aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts umzusetzen versucht.
Unternehmensethik – die praktische Philosophie, welche sich mit dem menschlichen Handeln in betrieblichen Umgebungen befasst – steht ganz offensichtlich auch im Zusammenhang zur neuen Unternehmenskultur 2.0. Das kürzlich eröffnete Portal xethix hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, diesem Zusammenhang nachzugehen. Daher wird Prof. Leisenberg zukünftig als Kooperationspartner bei xethix mitwirken.
Ursula Coester, eine der Macherinnnen des neuen Portals, beschreibt das Anliegen von xethix so:
„Das Klima für Unternehmen sowie im beruflichen Alltag wird zunehmend rauer: Wirtschaftskrise, Kurzarbeit, Machtkämpfe, Vergütungsdebatten, Entlassungen und vieles mehr tragen dazu bei, dass Menschen den Eindruck gewinnen, in einer Ellenbogengesellschaft zu leben. Die Macher der Plattform für ethisches Miteinander, www.xethix.com, wollen dem entgegentreten und künftig den Austausch von Strategien sowie Ideen im Hinblick auf ethische Fragen des Wirtschaftens unterstützen. Ziel der Plattform ist es, die Grundsätze ethischer Unternehmensführung zu fördern und zu verbreiten sowie zu zeigen, dass ethisches Denken und Handeln mit unternehmerischen Geschäftszielen in Einklang zu bringen ist. Mittlerweile lässt sich unethisches Handeln von Unternehmen nicht mehr so leicht verbergen – weder vor der Öffentlichkeit noch vor den eigenen Mitarbeitern. Das Web 2.0 macht vieles transparent, was früher hätte verschwiegen werden können – bestes Beispiel die Kampagne gegen Jack Wolfskin oder jetzt aktuell BP und die Ölkatastrophe. Ein Grund mehr also für Unternehmen, sich mit Ethik und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.
Im Sinne des Netzwerkgedankens wird den Mitgliedern der Plattform die Möglichkeit geboten, sich mit anderen Mitgliedern, Organisationen sowie Verbänden virtuell auf der Plattform oder persönlich auf Veranstaltungen auszutauschen.
Die Plattform bietet einen für jedermann zugänglichen Informationspool an Nachrichten sowie Fachartikeln zum Thema Ethik und Nachhaltigkeit. In einem geschlossenen Bereich für Mitglieder können sich diese dann zu einzelnen Fragen austauschen, Beiträge kommentieren und Kontakte untereinander sowie zu Experten der verschiedenen Disziplinen knüpfen. „
Wir sind gespannt darauf, welche neuen Gespräche, die natürlich hier im Blog dokumentiert werden, sich aus der Kooperation ergeben.
Voe mehr als zwei Wochen wurde das neue Buch “Web 2.0 im Unternehmen” von Manfred Leisenberg und Frank Roebers veröffentlicht:
Wir wollen mit diesem Buch aufzeigen, welche Auswirkungen das Netz auf Unternehmen hat oder haben kann und gehen der Geschichte dieser Entwicklung nach. Zunächst sehen wir uns die Wurzeln in der offenen Softwareentwicklung an. Später wagen wir einen noch größeren Bogen und zeigen auf, wie sich das heutige Netz sogar als später Sieg der revolutionären 68er Bewegung beschreiben lässt. Wir stellen die wichtigsten Werkzeuge des heutigen Netzes ausführlich und praxisbezogen dar und zeigen, was man damit alles bewirken kann. Dabei haben wir die Sicht des Praktikers mit der des Wissenschaftlers verbunden. Viele Themen sind sicher Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Zudem gehen wir ausführlich auf typische Fragen beim Einsatz von Web 2.0 ein.
Hier einige ausgewählte Beispiele von Fragen, die wir im Buch behandeln: Wie optimiere ich den Unternehmensauftritt im sozialen Netz, um bei höchster Reichweite meine eigene Kommunikationsstrategie umzusetzen? Wie kann ich Web 2.0 für das Marketing einsetzen. Lässt sich die Wettbewerbsanalyse mit den Werkzeugen des Web 2.0 effektiv gestalten. Wie setze ich ein Social Media Monitoring auf. Oder – was ist zu tun, um die digitale Reputation von Unternehmen oder Privatpersonen mit Hilfe von Web 2.0 aufzubauen und zu schützen? Welche Auswirkungen haben Web 2.0 und Enterprise 2.0 auf die Unternehmenskultur? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die sozialen Werkzeuge im Unternehmen einzusetzen?
Großen Raum nimmt dabei die Darstellung von instruktiven Unternehmensbeispielen ein. Ausführlich analysieren und erläutern wir die Erfahrungen, welche drei mittelständische Unternehmen beim Einsatz von sozialer Software gemacht haben: die SYNAXON AG in Bielefeld, die Gütersloher WESTAFLEX GmbH und die FROSTA AG. Gerade auf diesen Teil darf der Leser sehr gespannt sein, da er ermöglicht abzuschätzen, welche Erfolge und Schwierigkeiten beim Einsatz der Web 2.0- Werkzeuge im eigenen Unternehmen zu erwarten sind.
Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir bereits nach wenigen Tagen schon auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten stehen. Vielen Dank allen Käufern!
Diskussionen zum Buch können sowohl hier, als auch über einen speziellen Blog geführt werden.
Hier eine Rezension der COMPUTERWOCHE:
Nun bin ich einen längst fälligen Schritt gegangen: Meine bisherige Website, die noch fein händisch in PHP5 programmiert war, ersetze ich durch die zeitgemässere WORDPRESS- Variante. Viele Inhalte des bisherigen Portals werden übernommen, ganz neue Informationen kommen hinzu und natürlich integriert mein neues “Digitales zu Hause” die Web 2.0 – Anwendungen besser, als zuvor. Sicher werden meine Studenten, Kunden, Kollegen und Interessierte hiermit besser arbeiten können, als mit der alten Darstellung. Natürlich – dies ist selbstverständlich – wird die neue Site über eine kurze Zeit Baustelle bleiben. Dafür bitte ich um Entschuldigung und hoffe gleichzeitig auf hilfreiche Ratschläge.